Ablauf der Prostatektomie mit dem Da Vinci-Operationssystem 


Über 5 kleine Schnitte (ca. 5-10 mm) werden Zugangsschleusen für Kamera und Instrumente eingebracht nachdem der Bauchraum mit CO2 Gas gefüllt wurde.

Das Robotersystem wird dann an den Patienten herangebracht, der Operateur wechselt zur Bedienungskonsole. Der Assistent verbleibt am OP Tisch und wechselt je nach Bedarf Arbeitsinstrumente und unterstützt den Operateur.

Nun werden zunächst die Lymphknoten dann die Prostata mit den Samenblasen blutungsarm freipräpariert und entfernt. Falls onkologisch vertretbar werden die Nervenbündel geschont, die für eine spätere Erektion notwendig sind.

Diese Schonung des Gefäß-Nerven-Bündels welches unmittelbar auf der Prostatakapsel aufliegt, kann für die Erhaltung der postoperativen Potenz und auch für die Wiedererlangung der Kontinenz wichtig sein. Ihr Arzt wird mit Ihnen vor der Operation besprechen, ob die ein- oder beidseitige Erhaltung des Gefäß-Nerven-Bündels im Rahmen der Operation durchgeführt werden kann.  

 

Photodokumentation während minimalinvasiver radikaler Prostataentfernung (Prostatektomie) in der HDTV Qualität erkennt man sehr gut die einzelnen Gewebestrukturen, die Präzision wird so gesteigert. 

 

Die Vorteile sind mannigfaltig und unübersehbar. Besonders bei älteren Menschen häufig zu findende Voroperationen im Bauchraum haben bei diesem Vorgehen kaum Bedeutung, Leistenbrüche werden in gleicher Sitzung mitversorgt.

Durch die heutigen hervorragenden optischen Möglichkeiten ist ein Vergrößerungseffekt (ca. 20 fach) des OP-Feldes möglich. Die einzelnen zum Teil sehr filigranen Strukturen wie z.B. das Gefäß-Nervenbündel oder der willkürliche Schließmuskel gelangen zur Abbildung, was bei einer so möglichen sehr subtilen Präparationstechnik eine Schonung dieser wichtigen Strukturen gut ermöglicht.

Diese Schonung des Gefäß-Nerven-Bündels kann für die Erhaltung der postoperativen Potenz und auch für die Wiedererlangung der Kontinenz wichtig sein. Ihr Arzt wird mit Ihnen vor der Operation besprechen, ob die ein- oder beidseitige Erhaltung des Gefäß-Nerven-Bündels im Rahmen der Operation durchgeführt werden kann. 

Blutungen können punktgenau mit bipolarem Strom gestoppt werden, ohne dass umliegendes Gewebe außerordentlich mitbelastet wird. Hieraus ergibt sich ein sehr geringer Blutverlust. Mit der Vergrößerung und den verschiedenen “Blickwinkeln” durch Drehen der Kamera gelingt es nun den Harnröhrenstumpf und den willkürlichen Schließmuskel vollständig darzustellen und zu schonen. Ebenso helfen die verschiedenen „Kameraperspektiven“ beim Einstechen der Nadel, daraus resultiert eine sehr genaue, definierte Naht, die letztlich wasserdicht“ ist. 

Die Erfolgsaussichten dieser Operation hängen sowohl von der Anzahl der Operationen in der jeweiligen Klinik als auch vom Operateur ab. Aus diesem Grunde sollten Sie sich von Ihrem Urologen über die Möglichkeiten informieren lassen.

Das Team der Urologische Klinik am Prosper-Hospital in Recklinghausen beschäftigt sich seit dem Beginn der Laparoskopie (ca. 1999) hiermit und hat diese Techniken seit Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Heute überblicken wir als Minimalinvasives Zentrum hunderte von Patienten die wir in der Schlüssellochtechnik an der Prostata, Niere oder Blase operiert haben.

Bevor Sie jedoch operiert werden, erfolgt in der Regel die Aufnahme in der Klinik. Sie sollten an vereinbartem Aufnahmetag mit allen Unterlagen die Ihr Urologe/in Ihnen zusammengestellt hat im Aufnahmebüro/Station erscheinen. Auch bringen Sie bitte alle Vorbefunde und Medikamente mit die Sie einnehmen. Am Aufnahmetag müssen Sie in der Regel nicht nüchtern erscheinen. Nach Anmeldung erfolgen weitere Voruntersuchungen durch den Stationsarzt/ärztin. Evtl. fehlende Untersuchungen wie z.b. EKG, Labor und Ultraschall werden durchgeführt. Der Narkosearzt/ärztin bespricht mit Ihnen am Nachmittage die Narkoseform.

Der entsprechende Operateur/in kommt Sie besuchen und erläutert Ihnen nochmals den Vorgang. In seltenen Fällen kann es sein dass die Operation verschoben werden muss, falls sich unvorhergesehene Informationen bei den Voruntersuchungen ergeben. Am Abend erhalten Sie noch eine leichte Mahlzeit sowie ein Schlafmittel (Prämedikation),  damit Sie ohne Stress in die Operation am nächsten Tage gehen.  

Der Operationstag (Tag 0)

Sie werden früh geweckt, bleiben nüchtern. Je nach Operationszeitpunkt müssen Sie evtl. noch ein wenig warten bis Sie vom Narkosearzt in den Aufwachraum abgerufen werden. Danach werden Sie in den OP eingeschleust. Der Narkosearzt trifft nun alle Vorbereitungen, legt Zugänge und leitet die Narkose ein. In der Zwischenzeit werden alle Vorbereitungen im OP Saal getroffen. Nach Lagerung, Desinfektion und steriler Abdeckung kann dann die OP beginnen.

Direkt am Bauchnabel wird nun ein zwei cm langer Hautschnitt durchgeführt und die Kamera unter Sicht in die Bauchhöhle gebracht. Links und rechts werden nun jeweils zwei weitere Operationshülsen für jeweils die beiden Instrumente des Operateurs bzw. des Assistenten eingestochen. Es können nun, falls notwendig, die Lymphknoten des Beckens entfernt werden. Dann beginnt die eigentliche Operation.

Am Anfang der Prostatektomie steht klassischerweise die Unterbindung blutreicher Venen, hierbei ist die Kameradrehung und Vergrößerung sehr hilfreich. 

Falls die Tumorausdehnung es zulässt erfolgt nun die Erhaltung der Erektionsnerven um eine spätere Gliedversteifung zu ermöglichen. Diese zarten Nerven umgeben spinnennetzartig die Hinter- und Seitenflächen der Prostata. Da sie extrem empfindlich auf Druck und Hitze reagieren müssen sie sehr vorsichtig und exakt in einer ganz definierten Schicht von der Prostata abgelöst werden. Durch die 15-20 fache Vergrößerung, die Mikroinstrumente und durch das Abwinkeln der Kamera ist es in dieser Technik sehr gut möglich die sehr filigranen Strukturen zu schonen. Der Einsatz von elektrischem Strom unterbleibt hierbei.

Die Harnblase wird dann am Übergang zur Prostata eröffnet und Schritt für  Schritt von der Prostata abgelöst. Nun wird in die Schicht zwischen Enddarm und Prostatahinterseite präpariert- mit der Kamera können wir nun sogar hinter das Organ sehen. Die Blutgefäße der Prostata werden nun schrittweise mittels Ultraschallschere durchtrennt und gleichzeitig verschweißt.

Bei geplanter nerverhaltender Operation werden sie durch Klipps verschlossen um einer Nervenschädigung durch Hitze vorzubeugen.

Im Anschluss erfolgt dann das Absetzen der Prostata von der Harnröhre, wobei diese Technik eine schonende Präparation der Harnröhre ermöglicht. So entsteht ein vergleichsweise langer Harnröhrenstumpf, der entscheidend zur Kontinenz der Patienten beiträgt.

Der besondere Pluspunkt ergibt sich aber bei der Anfertigung der Nahtvereinigung zwischen Blase und Harnröhre (Anastomose) nach Entnahme der Prostata. Hier können unter ständiger optischer Kontrolle sehr exakt die notwendigen Nähte vorgenommen werden. 



Am Ende steht nach der Katheteranlage die Prüfung der Anastomose auf Wasserdichtigkeit. Der Dauerkatheter bleibt ca. sechs Tage und wird nach Röntgenkontrolle entfernt. Fast alle Patienten verlassen dann am siebten Tag nach der Operation das Krankenhaus, nachdem das feingewebliche Ergebnis besprochen und die Anschlussheilbehandlung eingeleitet wurde. 

Nach abgeschlossener Operation informiert der Operateur die Angehörigen telefonisch zu Hause. Im Anschluss wird der Patient in aller Regel für eine Nacht auf der Überwachungsstation betreut. Hier findet auch am Abend die Visite durch den Chefarzt statt mit Besprechung des Operationsergebnisses. Es kann schon ein leichtes Abendbrot eingenommen werden.

Tag 1 nach OP 

Rückverlegung auf die Normalstation nach der Morgenvisite durch den Chefarzt. Sie dürfen bereits aufstehen und bekommen leichte Kost. Durch den Stationsarzt erfolgt routinemäßig eine sonografische Kontrolle der Nieren und des Unterbauches sowie eine Blutentnahme.

Tag 2

Die Drainage wird bereits entfernt, Sie erhalten ein leichtes Abführmittel und können sich bereits selbstständig außerhalb des Krankenbettes aufhalten.

Tag 3 

Es geht Ihnen deutlich besser, Sie bekommen normale Kost, die Zugänge werden entfernt und Sie können mit Hilfe duschen. Sie benötigen wenig Schmerzmedikamente.

Tag 4 bis 5

Es ergeben sich keine besonderen Maßnahmen. Sie können sich regelhaft außerhalb des Krankenbettes aufhalten, Spaziergänge sind auch schon möglich. In der Regel kommt nun auch das endgültige feingewebliche Ergebnis. Dies wird mit Ihnen besprochen.

Tag 6 bis 7

Mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung über den liegenden Katheter (Zystogramm) wird die Dichtigkeit der neuen Blasen-/Harnröhrenverbindung (Anastomose) überprüft. In der Regel ist die Anastomose jetzt schon wasserdicht und der Katheter wird nun entfernt. Nur in sehr wenigen Fällen muss der Dauerkatheter aufgrund einer vorrübergehenden Undichtigkeit der neuen Verbindung noch einige weitere Tage liegen bleiben und wird dann entfernt.

Für den Operationserfolg und die spätere Kontinenz ist das in der Regel ohne Bedeutung. In ca. 87 % der Fälle kann der Katheter am 6 postoperativen Tage entfernt werden, am selben Tag erfolgt durch den Stationsarzt eine Ultraschallkontrolle der Blase. Unmittelbar hiernach kann es durchaus sein, das sie in gewissen Situationen Urin verlieren.  

Dies ist zunächst noch normal, da ihr Schließmuskel ca. 24-36 h braucht um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Nun ist es wichtig das Sie zunächst „nach der Uhr“, d.h. alle zwei Stunden wasserlassen und noch nicht auf ihr Blasenfüllungsgefühl vertrauen. So kann eine Blasenüberdehnung verhindert werden. Sie werden dann in der Regel am Folgetag entlassen und spüren bereits eine zunehmende Kontrolle während des Wasserlassens.

Falls Sie es wünschen können Sie Besuch von Mitgliedern der Prostataselbsthilfegruppe erhalten. Dies kann sehr hilfreich sein um Erfahrungen mit anderen betroffenen auszutauschen, Kontakt zu einer sehr großen Gruppe zu knüpfen um auch später bei Bedarf weitere kompetente Ansprechpartner zu kennen. Die meisten Patienten erleben diesen Kontakt als wohltuenden ersten Schritt zum entschlossenen Umgang mit ihrer Erkrankung.

Bereits im Krankenhaus wird Ihnen angeboten eine Anschlußheilbehandlung durchzuführen. Der gesamte Anmeldeprozess wird dann, nach Absprache mit Ihnen, durch unseren Sozialarbeiter Herrn Koschewa abgewickelt. Dieses Angebot sollten Sie annehmen, da dort die Kontinenz besonders trainiert wird. In der Regel treten Sie diese Anschlußheilbehandlung ca. 7-10 Tage nach Entlassung an.

Bevor Sie dorthin fahren sollten Sie jedoch unbedingt Ihren Urologen/in aufsuchen. Dort erhalten Sie die Informationen zur weiteren Nachsorge sowie Hilfsmittel und evtl. notwendige Medikamente.