Ein Interview mit Dr. Dirk Kusche, Chefarzt der Klinik für Urologie und des Zentrums für Minimalinvasive Chirurgie des Prosper-Hospitals, über computergestützte Operationen und die Zukunft der Minimalinvasiven Chirurgie (MIC).
Prosper kompakt: Das Prosper-Hospital hat ein System zur computergestützten Operation gekauft. Wie beurteilen Sie die Entwicklung solcher Geräte?
Dr. Dirk Kusche: Da Vinci ist der nächste logische und technische Schritt in der Perfektionierung der minimalinvasiven Chirurgie. Im Mittelpunkt solcher medizinischer Innovationen steht immer das Wohl der Patienten. Bis zur Entwicklung der Schlüsselloch-Operation waren chirurgische Eingriffe fast immer mit mehr Schmerzen und langen Wundheilungszeiten verbunden. Das hat sich enorm verbessert. Nun geht es darum, die Technik zu verfeinern, um Operationen noch exakter und risikofreier zu machen.
Prosper kompakt: Aber wo bleibt dann bei so einer Technik der Arzt?
Dr. Dirk Kusche: Operationen werden auch weiterhin von Ärzten durchgeführt. Der Computer macht nur das, was der Operateur ihm vorgibt. Nur ein Chirurg kann entscheiden, was in der jeweiligen Situation zu tun ist. Geräte wie Da Vinci helfen ihm lediglich dabei, das bestmögliche medizinische Ergebnis zu erzielen.
Man könnte das System als einen „Operationsoptimierer“ bezeichnen, selbstständige Aktionen oder ein Programmieren sind ausgeschlossen.
Wir beschäftigen uns hier seit ihren frühen Anfängen mit der Laparoskopie, so dass der Einsatz des Da Vinci-Systems nur eine logische Weiterentwicklung einer schon lange bestehenden Expertise ist. Ein vollständig neues Verfahren mit einer ausgesprochenen „Lernkurve“ ergibt sich für unsere Abteilung nicht.
Prosper kompakt: Dann ist diese Operationstechnik also die Zukunft der Chirurgie?
Dr. Dirk Kusche: Eindeutig ja. Das sehen wir in der rasanten Zunahme minimalinvasiver Operationen in allen operativen Fächern. Hier haben sich sogar die Richtlinien unserer Fachgesellschaft geändert: die laparoskopische Nephrektomie wird als „standard of care“ empfohlen. Diese Entwicklung zu ignorieren bedeutet eben keine zeitgemäße Therapie anzubieten. Im Rahmen der Minimalinvasiven Chirurgie ist der Einsatz des Da Vinci-Systems natürlich noch mal eine Verbesserung bei der Präzision und das setzt sich durch.
Prosper kompakt: Ist das denn nicht mit hohen Kosten für die Patienten verbunden?
Dr. Dirk Kusche: Natürlich ist eine computergestützte Operation teurer als ein herkömmlicher Eingriff. Sie bietet jedoch auch entscheidende Vorteile für die Patienten. Es soll Krankenhäuser geben, die dafür eine Zuzahlung von mehreren tausend Euro verlangen. Das ist eine eindeutige Zwei-Klassen-Medizin, so etwas wird es bei uns nicht geben.
Prosper kompakt: Geben Sie uns doch einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Was wird die Patienten in den nächsten Jahren erwarten?
Dr. Dirk Kusche: Computerunterstütztes Operieren ist zukünftig nicht mehr wegzudenken. Die Forschung arbeitet aber schon an den Geräten der nächsten Generation, die noch mehr Aufgaben übernehmen können. Es wird zum Beispiel an kleinen Einheiten gearbeitet, die sich im Körper ferngesteuert bewegen können, um dort – zu Gruppen zusammengeschlossen – Operationen durchzuführen.