Das MIC/Robotic-Zentrum: Zentrum für minimalinvasive Chirurgie in der Urologie
Was ist das und worin liegen die Vorteile dieses Zentrums für unsere Patienten?
Weltweit setzen sich immer stärker minimalinvasive Operationstechniken durch, diese Entwicklung erstreckt sich über alle operativen Disziplinen und ist heute aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.
Diese besondere Form des Operierens (minimalinvasive Chirurgie oder "Schlüssellochoperationen") stellt die schonende, wenig verletzende Behandlung der Patienten in Vordergrund- bei jedoch mindestens gleich guten Ergebnissen wie die Schnittoperationen. Dies ist der Grund für die ständig steigende Anzahl an minimalinvasiven Operationen, die so an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Bei den klassischen Schnittoperationen muss ein längerer Hautschnitt gemacht werden, um Sicht auf das erkrankte Organ zu bekommen bzw. es mit den Händen zu erreichen. Bei der minimalinvasiven Chirurgie (MIC) hingegen werden alle benötigten Präzisionsinstrumente in Miniaturform (5-10mm) über winzige Einstiche in den Körper eingeführt. Eine kleine Videokamera überträgt hochauflösende Bilder in HDTV Qualität vom Operationsfeld in ca. 15-20 facher Vergrößerung. Durch Verdrehen und Abwinkeln der Kamera wird so eine Beurteilung erkrankter Organe aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht. So erhält der Operateur eine sehr exakte und detailgenaue Darstellung der inneren Organe, ohne den Körper des Patienten mit großen Schnitten zu öffnen und kann sich sehr schonend, ohne umliegendes Gewebe stark in Mitleidenschaft zu ziehen, um das erkrankte Organ kümmern. Die Operation findet letztlich in der geschlossenen Körperhöhle statt.
Hieraus ergeben sich große Vorteile für die betroffenen Patienten:
- der Blutverlust ist minimal, Minimierung der Gefahr von Bluttransfusionen
- der Wundschmerz nach der Operation ist gering, weniger Schmerzmittel reichen aus
- ein „normales Körpergefühl“ kehrt schneller zurück, der Kostaufbau findet schneller statt
- Risken für Entzündungen und Narbenbruch sind reduziert
- Krankenhausaufenthalt und Rekonvaleszenzzeit sind kürzer
- Das kosmetische Ergebnis ist besser
In unserem Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie (MIC-Zentrum) bieten wir die urologischen Eingriffe als so genannte Schlüssellochoperationen also kameraassistiert (laparoskopisch bzw. endoskopisch) an. Dies führen wir ergänzend zu den klassischen Schnittoperationen durch.
Hier betreut ein hochspezialisiertes Ärzteteam unter der Leitung von Chefarzt Dr. Dirk Kusche Patienten mit gut- und bösartigen Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane. Die feste Zusammensetzung dieses Team gewährleistet eine gleich bleibende Konstanz und einen standardisierten Ablauf der oftmals komplexen Operationen, die wir hier in großer Zahl durchführen.
Ein weiterer Vorteil unseres Zentrums liegt in der ständigen Qualitätskontrolle die wir kontinuierlich durchführen. Hierzu werden die Patientendaten vor und nach der Operation (Fragebögen, Interviews etc.) gesammelt und verglichen, ebenso die operativen Ergebnisse dokumentiert. Wir können so evtl. auftretende Neuerungen mitverfolgen und sie dann ggf. ins Repertoire aufnehmen. Schließlich werden alle Operationen von uns auf DVD aufgezeichnet um sie später zu internen Auswertungen nochmals heranzuziehen.
Wann kann mit dieser Methode operiert werden?
Wir am Prosper-Hospital bieten Ihnen jeden urologischen Eingriff auch als minimalinvasive Operation an - wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.
Schon heute führen wir ca. 80% unserer Tumoroperationen minimalinvasiv durch.
Routinemäßig führen wir die Entfernung der Prostata bei einem auf das Organ begrenzten Krebsbefall - die minimalinvasive Endoskopisch Extraperitoneale Radikale Prostatektomie (EERPE) - in dem Schlüssellochverfahren durch. Dies ist einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe und stellt einen Schwerpunkt unserer Klinik dar.
Auch verschiedene Eingriffe an den Nieren und den Nebennieren bei gut- und bösartigen Erkrankungen können sehr gut minimalinvasiv durchgeführt werden. Dazu zählen beispielsweise die Nierenentfernung bei Tumoren oder die Nierenteilentfernung mit Erhaltung eines Teils des Organs. Die gleichzeitige Nieren- und Harnleiterentfernung, bei der beim „offenen Operieren“ ein Flanken- und ein Bauchschnitt nötig wären, oder die Nebennierenentfernung sind in der „Schlüssellochtechnik“ möglich und erfolgen bei uns routinemäßig. Aber auch wiederherstellende Operationen (plastisch-rekonstruktiv) sind so möglich.
Die laparoskopische Nierenbeckenplastik zur Korrektur der Harnleiterabgangsenge stellt einen weiteren, überregionalen Schwerpunkt unseres Zentrums dar.
Die hervorragenden Ergebnisse haben nach weltweiter Prüfung dazugeführt, das die Europäische Gesellschaft für Urologie in ihren Richtlinien heute die laparoskopische Nierenchirurgie als „Standard of Care“ – also als den Eingriff der am ehesten empfohlen werden sollte bezeichnet.
Darüber hinaus wird das Verfahren eingesetzt, um Korrektureingriffe an der Harnblase vorzunehmen, wie die Entfernung von Harnblasendivertikeln und Senkungsoperationen, zur Behandlung des Krampfaderbruchs am Hoden (Varikozele) sowie zur Hodensuche bei Kindern.
Unter welchen Voraussetzungen kann eine Schlüssellochoperation durchgeführt werden?
Bei den allermeisten Patienten kann man minimalinvasiv operieren. Grundsätzlich aber muss der Patient mit seiner individuellen Erkrankung und seiner gesundheitlichen Vorgeschichte für einen minimalinvasiven Eingriff geeignet sein. Liegt beispielsweise eine schwere Herz- oder Lungenerkrankung vor ist ein solcher Eingriff vermutlich nicht zu empfehlen. Auch bei besonders großen oder ungünstig gelegenen Tumoren ist eine minimalinvasive Operation nicht immer ratsam.
Mit welcher Methode ein Patient operiert wird, um den für ihn besten Behandlungserfolg zu erzielen, muss immer im Einzelfall geklärt werden. Ganz wichtig für diesen Entscheidungsprozess sind auch die Narkoseärzte und Internisten und vorallendingen der einweisende niedergelassene Arzt, denn er kann als langjähriger „Kenner“ des Betroffenen mit wichtigen Hintergrundinformationen zu dieser Entscheidung beitragen.



