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14.03.2012 11:13 Alter: 2 yrs
Kategorie: Hospital

„1000 Kinder sehen – 1000 Kinder hören“


Gutes Hören und gutes Sehen ist in Deutschland eine Selbstverständlichkeit, und wenn es mal nicht so ist, kann man Hilfe bekommen. Anders sieht dies in der Ukraine aus: Kinder, die dort nicht gut hören können, gelten als behindert und werden ausgegrenzt. Um diesen Kindern zu helfen, fuhr Dr. Jan Balczun, MHBA, zusammen mit einem Team deutscher Fachleute für eine Woche nach Kiew, um Hilfe zu leisten. "Die ärmlichen Verhältnisse der Landbevölkerung dort berühren zutiefst. Es ist fast schon beschämend, mit welch einfachen Mitteln man sie glücklich machen kann", sagt der Oberarzt der HNO- Abteilung des Prosper Hospitals Recklinghausen.
"Es ist eine anstrengende Arbeit, aber das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn sie die Sprache gut hören können, ist sehr ergreifend." Organisiert und finanziert wurde das Projekt von Round Table Deutschland. Dieser Serviceclub junger Männer ist deutschlandweit vertreten. Der Dienst an der Allgemeinheit ist neben der Pflege nationaler und internationaler Kontakte ein Ziel dieser Organisation.

Hintergrund: Während Kinder mit Seh- und Hörschwäche bei uns ärztlich begleitet Seh- und Hörhilfen bekommen, gefördert werden und die Regelschule besuchen, ist für sie in der Ukraine der Weg vorgezeichnet in Heime und in die Sonderschule, so die Recherchen der Organisation.

Die hörgeschädigten Kinder werden zumeist nicht mit geeigneten Hörhilfen versorgt. Vielmehr müssen sie die Gebärdensprache lernen und haben so kaum eine Chance auf einen soliden Schul- und Berufsweg, berichten die Round Tabler.

Sind Hörgeräte in den Heimen vorhanden, sind es oft vom Staat zur Verfügung gestellte ungeeignete Universalgeräte. Zudem müssen die Lehrer zumeist für die Geräte haften, deren Wert höher ist als ein Lehrer-Monatslohn. Die Folge: Die Hörhilfen werden nur zum Unterricht ausgehändigt, ein solider Spracherwerb der Kinder ist somit kaum möglich.

In Sachen Brillen gibt es in der Ukraine Abgabestellen, um Bedürftigen zu helfen, haben die Tabler recherchiert. Kinder erhalten die Sehhilfen oft nach unzureichenden Sehtests zugewiesen – in vielen Fällen in falscher Stärke.

So entstand im RT Aschaffenburg die Idee, mit Seh- und Hörhilfen den Mädchen und Jungen eine Perspektive, eine Zukunft zu geben. Der RT 174 schlug Round Table Deutschland das Vorhaben als Nationales Serviceprojekt 2010/2011 vor. „1000 Kinder sehen – 1000 Kinder hören“ wurde von der bundesweiten Mitgliederversammlung gewählt.

Diese Wahl bedeutet, dass sich die lokalen Tische von Round Table Deutschland an dem Projekt beteiligen werden und in eigenen Serviceaktionen Spenden für das Ziel beisteuern, Brillen und Hörgeräte in die Ukraine zu bringen. Die 11 Tabler von Round Table Aschaffenburg werden als Team die Koordination in der Hand haben, die Verteilung vor Ort organisieren und dabei Verwendung und Nachhaltigkeit kontrollieren. Sie soll für mindestens fünf Jahre gewährleistet werden.

Fakten für die Spender: Für bereits 15 Euro kann ein Kind in der Ukraine wieder richtig sehen. Für 250 Euro kann ein Kind für fünf Jahre und länger wieder richtig hören.

Die ersten Kontakte zu Herstellern von Brillen und Hörgeräten hat das Projektteam geknüpft. Und auch der nächste Besuch in der Ukraine ist bereits geplant. Mitte Oktober soll er stattfinden – zunächst 300 Kinder sollen versorgt werden.

Stolz ist Round Table Deutschland, zwei prominente Schirmherren für das Nationale Serviceprojekt gefunden zu haben. Es sind Boxstar Wladimir Klitschko und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Weitere Informationen über das Nationale Serviceprojekt von Round Table Deutschland gibt es im Internet unter www.1000-kinder-sehen-und-hoeren.de bzw. 1000ksuh.blogspot.com, zu Round Table Deutschland unter www.round-table.de.


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Round Table ist ein internationaler Service-Club mit zirka 40 000 Mitgliedern in über 70 Ländern. Er hat sich in Deutschland mit der Gründung des ersten Tisches in Hamburg im Jahr 1952 etabliert. Deutschlandweit gehören der überparteilichen und weltanschaulich ungebundenen Vereinigung junger Männer heute rund 3500 Mitglieder an, die in mehr als 220 örtlichen Clubs organisiert sind. Ziele des Clubs sind die Ermöglichung des Austauschs von beruflichen und privaten Erfahrungen der Mitglieder, die Pflege neuer Freundschaften im In- und Ausland, vor allem aber der Dienst an der Allgemeinheit. Die Mitgliedschaft im Round Table endet mit dem 40. Lebensjahr. Durch diesen Wechsel an den Tischen kommen stets neue Ideen junger Mitglieder in das Clubleben und das gemeinsame soziale Engagement. Nach dem Ausscheiden können die Mitglieder in den Old Table wechseln, in dem die Freundschaften und das Netzwerk weiter gepflegt werden. Zudem wird die RT-Arbeit unterstützt.

Nationales Serviceprojekt – dahinter steckt ein bundesweites Projekt, das von den lokalen Tischen durch Sach- oder Geldspenden sowie praktisches Tun unterstützt wird. Ein oder mehrere Tische bringen die Idee ein und halten die Fäden in der Hand. Die Mitgliederversammlung von Round Table Deutschland entscheidet über das gemeinsame Vorhaben, das ein Jahr als Nationales Serviceprojekt geführt wird. Großer Wert wird auf die Nachhaltigkeit gelegt. Zumeist laufen die Projekte über viele Jahre weiter, oftmals als eigene Vereine. Letztes Nationales Serviceprojekt war „Raus aus dem Toten Winkel“. Ziel war hier, bundesweit Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen über diese Todesfalle im Straßenverkehr aufzuklären.