Vermindertes Risiko tödlicher Embolien Neues Bohrsystem in der Unfallchirurgie und Orthopädie
Priv.-Doz. Dr.Alexander Joist, langjähriger Oberarzt an der Uniklinik Münster und jetzt Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wieder- herstellungschirurgie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen, ist es mit seiner Forschungsgruppe gelungen, ein neues Bohrsystem für die Unfallchirurgie und Orthopädie zu entwickeln. Es vermindert deutlich das Risiko einer mitunter tödlichen Lungenembolie. In Anerkennung dieser herausragenden wissenschaftlichen Leistung wurde Dr. Joist mit dem Gerhard Küntscher-Preis, einem der renommiertesten Preise auf dem Gebiet der Unfallchirurgie, ausgezeichnet. In der Versorgung von Ober- und Unterschenkelbrüchen ist es heute Routine und Standard, eine sog. Marknagelung durchzuführen. Darunter versteht man das Einbringen eines Nagels in die Markhöhle, nachdem diese durch Aufbohren vorbereitet wurde. Der Vorteil dieses Operationsverfahrens für den Patienten liegt in der frühzeitigen Belastbarkeit und Mobilisation.
Allerdings zeigte sich schon frühzeitig ein schwerwiegendes Problem: die Markhöhle ist gefüllt mit Fett und Knochenmark, so dass der vorgeschobene Bohrkopf in der Markhöhle wie ein Kolben in einem Zylinder gleitet und somit einen hohen Druck erzeugt ähnlich einer Luftpumpe.Steigt dieser Druck über den Wert von 30-50 mbar (beim Bohrvorgang sind Drücke bis zu über 1.000 mbar gemessen worden), so führt dies zu einer Ausschwemmung von Fett, Knochenmark und Knochenspänen, die beim Bohrvorgang anfallen. Diese Partikel gelangen in das venöse Blutstromsystem und bleiben letztendlich in der Lunge hängen, die wie eine Art Schlammfilter arbeitet Dies führt zu Lungenembolien, die auch tödlich verlaufen können. Dies gilt in gleichen Maße auch für die Endoprothetik beim Ersatz von Hüft- und Kniegelenken. Wissenschaftliche Untersuchungen geben dieses Risiko einer tödlichen Lungenembolie durch Fetteinschwemmung mit ca. 1 % an, wobei die Dunkelziffer vermutlich noch höher liegen dürfte. Daher wurde in Kooperation mit dem Institut für Erdöl- und Erdgasforschung der Technischen Universität Clausthal (Direktor: Prof Dr. Dr. Marx), eines der weltweit führenden Institute auf dem Gebiet der Bohrtechnik, das großtechnische Know-how auf medizinische Dimensionen übertragen.
Anschließend konnte bei Experimenten an Schafen am Ludwig Boltzmann-Institut für klinische und experimentelle Traumatologie in Wien (Direktor: Prof. Dr. H. Redl und Univ.-Dozent Dr. A. Kröpfl) unter klinikähnlichen Bedingungen ein druckloses Aufbohren mit einer Reduktion der Fetteinschwemmung von über 90 % gezeigt werden. In weiteren Forschungsarbeiten soll das patentierte Verfahren für den klinischen Einsatz am Patienten vorbereitet werden. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Dr. Marc Schult, Oberarzt in der Unfall- und Handchirurgie der Uniklinik der der Unfall- und Handchirurgie der Uniklinik Münster.(Direktor: Prof. Dr. Brug), der die Forschungsgruppe zusammen mit Priv.Doz. Dr. Joist leitet.

Priv.Doz. Dr. Alexander Joist (links) Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Prosper-Hospital - D-45659 Recklinghausen
Dr. Marc Schult (rechts) Klinik für Unfall-,und Handchirurgie Uniklinik Münster - D-48149 Münster


