Mit „Zement“ werden Wirbelkörper wieder stabil

Medizin: Neues Verfahren lindert erfolgreich Schmerzen

Wochenlange Bettruhe und ein steifes Korsett, das mussten die meisten Patienten mit Brüchenan den Wirbelkörpern auf sich nehmen. Doch eine neue Methode macht diese unangenehmeBehandlung jetzt in vielen Fällen überflüssig. In der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgiedes Prosper-Hospitals Recklinghausen unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr.Alexander Joist werden diese Brüche nun mit Knochenzement operiert.

Dr. Alexander JoistDas Verfahren nennt sich Vertebroplastie und hört sich eigentlich schlimmer an, als es ist. Bisher hat man Brüche der Wirbelkörper, insbesondere bei älteren Patienten, häufig nicht operativ behandelt. Die Patienten mussten dann eine lange Bettruhe aushalten und litten später häufig unter chronischen Schmerzen. Mit der Vertebroplastie wird in Bauchlage über zwei bis drei Millimeter kleine Stiche eine Hohlnadel in den Wirbelkörper platziert. Durch diese Nadel wird der Knochenzement direkt in den Wirbelkörper eingespritzt. Dieser Zement ist eine Art Paste, die innerhalb von wenigen Minuten aushärtet und dann eine ebenso hohe Belastbarkeit wie unser Knochen erreicht. Die Operationszeit beträgt lediglich zwischen zehn und zwanzig Minuten, so dass die Belastung für den Körper minimal ist. Anschließend hat der Patient keinerlei Einschränkungen und kann sogar bereits kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose wieder laufen. Ein physiotherapeutisches Programm zur Stärkung der Muskulatur rundet die Behandlung ab. „Mit dieser Methode waren über 90 Prozent der Patienten sofort beschwerdefrei oder konnten zumindest eine deutliche Verbesserung verzeichnen“, erklärt Dr. Joist.

Angewendet wird die Methode vorbeugend bei drohenden Brüchen aufgrund von Osteoporose. Bei frischen Brüchen der Wirbelkörper nach Osteoporose und bei älteren Patienten kann mit der Vertebroplastie die Wirbelsäule wieder stabilisiert werden. Aber auch alte Brüche, die instabil sind oder chronische Rückenschmerzen verursachen sowie Wirbelsäulenmetastasen und –tumore können mit diesem Verfahren behandelt werden. Bei chronischen Schmerzen wirkt sich auch die Wärmeentwicklung beim Aushärten des Knochenzementes positiv aus. Im Einzelfall kann eine chronische Entzündung der Wirbelkörper Indikation für eine Vertebroplastie sein.


Priv.-Doz. Dr. Joist sieht vor allem die kurzen Behandlungszeiten als großen Vorteil dieser Methode:
„Die Patienten müssen nicht mehr erst langwierig mobilisiert werden, sondern spüren in der Regel sofortige Schmerzfreiheit.“ Wochenlange Bettruhe und das Tragen eines Korsetts wird hierbei unnötig. Außerdem können auch Patienten, die bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben, mit dieser Methode behandelt werden und erhalten durch die sofortige Belastbarkeit der Wirbelsäule eine hohe Lebensqualität zurück.
In Zukunft werden diese Vorteile wohl noch mehr zum Tragen kommen, denn immer mehr Menschen werden immer älter und somit werden Patienten mit Osteoporose zunehmen.
Dr. Joist erklärt:
„Wer hört, dass er an der Wirbelsäule operiert werden muss, denkt sofort an ein hohes Risiko und Gefahren wie Lähmungen. Doch die Vertebroplastie ist bei Operateuren, die Erfahrungen mit der Wirbelsäule haben, ein sehr sicheres Verfahren, denn die Komplikationsrate ist gering.“


Im Mai 2003 ist das Prosper-Hospital zum Referenzzentrum für Vertebroplastie der Stryker Howmedica GmbH ernannt worden.



 


 


 


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