Alltägliche Dinge erhalten, Neues wagen

Die Behandlung von Menschen mit Demenz in der Ergotherapie

 

Durch den demographischen Wandel bedingt, werden im Prosper-Hospital zunehmend mehr Menschen mit der Haupt-, Neben- oder Verdachtsdiagnose Demenz aufgenommen.

 

Die Ergotherapie ist neben dem Pflegedienst, dem ärztlichem Dienst, der Physiotherapie, der Logopädie, dem Sozialdienst und ggf. weiteren Berufsgruppen ein wesentlicher Baustein in der multiprofessionellen Demenzbehandlung.

 

Schon bei der Diagnostik leistet die Ergotherapie durch die Durchführung von ausgewählten Testverfahren sowie einer ganzheitlichen Befundaufnahme einen wichtigen Beitrag zur Betreuung der Patienten. Dabei ist z.B. ist die Abgrenzung zur Depression, die oftmals demenzähnliche Symptome zeigen kann, von großer Bedeutung.

 

Die Demenz zeigt sich, je nach Stadium und Verlauf, in unterschiedlicher Ausprägung durch Beeinträchtigung kognitiver Leistungsbereiche wie Merk- und Gedächtnisleistung, Sprach- und Kommunikationskompetenzen, Orientierungs- und Urteilsvermögen, Denkleistung und -flexibilität, sowie auch durch psychosoziale Verhaltensänderungen und Affektstörungen.        Rückzugstendenzen, Persönlichkeitsveränderungen und Schwierigkeiten in der Haushalts- und Alltagsbewältigung können erste Anzeichen sein. Motorische Einschränkungen mit Gangunsicherheit oder feinmotorischen Defiziten können sich später einstellen und gefährden ebenfalls eine selbstständige Lebensführung.

 

Von der motorisch-funktionellen Therapie über das Hirnleistungstraining bis hin zum Selbsthilfetraining bietet die Ergotherapie eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten. Mit der Ergotherapie sollen körperliche, geistige, psychische und soziale Fähigkeiten wieder hergestellt beziehungsweise  aufrechterhalten werden, um eine größtmögliche Selbstständigkeit im Alltagsleben zu erhalten. Alltagsrelevante Handlungen werden je nach Bedarf trainiert, notwendige Umgebungsanpassungen angegangen und gegebenenfalls erforderliche Hilfsmittel erprobt und angepasst. Es kommen adaptierte Übungsmaterialien, funktionelle, spielerische, handwerkliche und gestalterische Techniken zum Einsatz.

 

Im Prosper-Hospital bietet die Ergotherapie zusätzliche Angebote, die einer zunehmenden Isolation der Betroffenen entgegenwirken sollen. Durch die Teilnahme am Gedächtnistraining, am Singkreis oder an jahreszeitlich angepassten Kreativgruppen wird neben der gezielten Förderung von spezifischen Alltagskompetenzen, ebenso die Freude an der Betätigung in der Gemeinschaft angeregt. Auch Frühstücksgruppe, Kochgruppe und Gartentherapie können an altbekannte Fähigkeiten anknüpfen und für Mut und neuen Antrieb für eine aktive und sinnvolle Alltags- und Freizeitgestaltung sorgen. Dem biographischen Arbeiten mit dem Patienten kommt hierbei eine bedeutende Rolle zu.

 

„Es gibt therapeutische Methoden, um die Krankheitsfolgen zu bearbeiten. Hierzu zählen neben einem gezielten Gedächtnistraining, bei dem kognitive Strategien entwickelt, Dinge hinterfragt und verknüpft werden sollen auch eine Strukturierung der alltäglichen Abläufe, sowie Übungen zur Körperwahrnehmung“, erklärt Gabriele Gonschorek, Ergotherapeutin im Prosper-Hospital. „Hinzu kommt ein Verhaltenstraining, welches die Eigenverantwortung und die Selbstbestimmung positiv beeinflusst und den Umgang mit der Erkrankung für den Betroffenen sowie den Angehörigen erleichtert. Dazu gehören zum Beispiel gezielt eingesetzte Gedächtnishilfen wie bebilderte Kalender, bedienungsfreundliche Handys oder Uhren mit großem Ziffernblatt sowie eine umfassende Beratung der Angehörigen.“

 

Die Vermittlung von Wissen um die Fähigkeitsstörungen, Anregungen für die Übertragung der Therapieansätze in den Alltag, sowie Hinweise für den Umgang mit den Betroffenen können zu einer verständnisvolleren und somit entspannteren und kräftsparenden Beziehung zum Demenzkranken führen. Sogenanntes „herausforderndes Verhalten“, „aggressive Tendenzen“ und sonstigen Überforderungssituationen können angegangen und verbessert werden.

 

Auch die hilfreiche Erkenntnis, den dementen Menschen besonders gut durch einen wertschätzenden und authentischen Umgang in verbaler und nonverbaler Kommunikation über die Gefühlsebene noch erreichen zu können, kann der oft so belastenden Betreuung positive Momente abgewinnen.

 

Besonders bei Menschen mit Demenz in einem fortgeschrittenen Stadium ist die adäquate Anpassung der Therapieinhalte an die verbliebenen Möglichkeiten der Patienten von größter Bedeutung:  „Viele Betroffene werden z.B. motorisch unruhig, fahrig, müssen sich stets bewegen, laufen ziellos umher. Meist steckt da das Bedürfnis nach Körpereigenwahrnehmung hinter. Durch vermehrte körperliche Aktivität wird also unbewusst versucht, sich selber wieder wahrzunehmen“, sagt Gabriele Gonschorek. Hier schaffen die Ergotherapeuten des Prosper-Hospitals Angebote auf sensorischer Basis zur Stimulierung von Greif-, Fühl- und Tastempfinden.

 

Also auch bei weit fortgeschrittener  Demenzerkrankung können ergotherapeutische Behandlungsmethoden wie z.B. eine spezielle wahrnehmungsfördernde Lagerung, basale Stimulationstechniken und wiederholendes Alltagstraining positiven Einfluss auf die Gesamtverfassung sowie das Wohlbefinden des Patienten und sein Umfeld nehmen.

 

„Jede Therapie wird individuell auf den aktuellen Gesundheitszustand, auf die Bedürfnisse und eben auch auf die persönlichen Vorlieben und Wünsche unserer Patienten angepasst“, erklärt Gabriele Gonschorek, Ergotherapeutin im Prosper-Hospital.

 

Hierbei bietet ein Team von fünf erfahrenen Ergotherapeutinnen, versiert durch diverse Fachfortbildungen besonders im Bereich Geriatrie und Gerontopsychiatrie wie z.B. Gedächtnistraining n. Dr. Stengel, Validation, Basale Stimulation, Kinästhetik, Entspannung, Lagerung in Neutralstellung etc. , neben der stationären und der tagesklinischen auch die ambulante ergotherapeutische Behandlung an.

 

Sprechen Sie uns an:

Kontakt:  Tel.: 0 23 61/54 – 2368

                 e-mail: ergotherapie(at)prosper-hospital.de

 

Gedächtnisübungen zum Ausprobieren finden Sie hier.