Der falsche Biss

Unser Kauapparat kann für viele unspezifische Beschwerden sorgen

Ohren-, Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindel, Migräne, Schulterverspannungen, Hüft- und Knieprobleme können viele verschiedene Ursachen haben, doch erst in den letzten Jahren schenkt man hierbei auch unseren Kiefergelenken und unserem Biss mehr Aufmerksamkeit. Durch einen andauernden „Fehlbiss“ kann das Kiefergelenk schmerzen, sich entzünden und später auch Knorpelschäden oder Arthrose aufweisen. CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) nennt man diese Problematik in der Fachsprache. Abteilungsleiter der Physiotherapie im Prosper-Hospital und CMD-Therapeut Michael Neitzel und einige Mitarbeiter seines 15-köpfigen Teams haben sich auf dieses Thema spezialisiert.

 

„Jeder Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers ist koordinativ ein äußerst aufwendiger Prozess“, erklärt Michael Neitzel. Hierfür bedarf es  genauer Informationen um die vielen Kontaktpunkte der Zähne mit der richtig dosierten Kraft exakt aufeinander abzustimmen. „Immerhin ist es ein extremer Unterschied, ob jemand spricht, ein weiches Stück Brot oder ein Stück Zwieback beißt.“ 

 

Zwischen der  Kaumuskulatur, der Nackenmuskulatur und der ventralen Halsmuskulatur bestehen enge neurophysiologische Verbindungen.  Außerdem stellt das Kiefergelenk ein sehr komplexes System dar, das in Verbindung zu verschiedenen Bereichen steht,  z.B.  Kopfgelenke, Ohr, Gleichgewichtssystem, Zungenbein, Schulter, Halswirbelsäule. „Kleine Fehlstellungen können große Auswirkungen haben.“

 

Wenn der Biss aus dem Gleichgewicht kommt wird von ärztlicher Seite zum Beispiel mit Aufbissschienen therapiert, um den Muskeltonus zu reduzieren. In einigen Fällen muss sogar operiert werden. Zahnärzte versuchen das harmonische Zusammenspiel der Körper- und Mundstatik wiederherzustellen, in dem sie zum Beispiel zu hohe Kronen oder Füllungen korrigieren. „Wir arbeiten sehr eng mit den Ärzten und Zahnärzten zusammen, denn nur eine Kombination aus medizinischen und physiotherapeutischen Maßnahmen kann erfolgreich sein“, so Neitzel.

 

In der Physiotherapie  im Prosper-Hospital versucht man zunächst eine aufrechte Körperhaltung zu erarbeiten und den Muskeltonus zu normalisieren. Es können zum Beispiel Wärmebehandlungen, Triggerpunktbehandlungen (Behandlung von Muskelverhärtungen) Massagen und Lymphdrainage angewendet werden. In einem weiteren Schritt können dann Bewegungseinschränkungen manualtherapeutisch behandelt werden. Das Kiefergelenk wird dabei mit Hilfe spezieller Lockerungs- oder Dehnungsübungen mobilisiert, womit der Therapeut direkt auf die Kaumuskulatur einwirken und diese entlasten kann. „Ein ganz wichtiger Punkt in unserer Behandlung ist allerdings auch die Aufklärung der Patienten. Denn viele Betroffene neigen in Stresssituationen dazu ihre Kiefermuskulatur anzuspannen, indem sie stark aufbeißen. Andere drücken ihre Zunge unter den Gaumen. Wird ihnen diese Verhalten bewusst, können selbstständig darauf achten, diese Angewohnheiten zu vermeiden.“

 

Ein Rezept zu einer physiotherapeutischen Behandlung kann ein Zahnarzt ausstellen. Gerne stehen die Therapeuten im Prosper-Hospital den Betroffenen unter 02361/54 2360 oder unter
physiotherapie(at)prosper-hospital.de für eine Beratung oder eine Terminvereinbarung bereit. 

 

Ein paar Tipps und Übungen für zu Hause finden Sie hier.

 

Infokasten Physiotherapie

Die Physiotherapie des Prosper-Hospitals bietet stationären und ambulanten Patienten sowie Patienten der geriatrischen Tagesklinik und der Klinikdialyse ein umfassendes Angebot an Therapiemöglichkeiten.

·         allgemeine Krankengymnastik

·         PNF

·         Krankengymnastik nach Bobath und Hanke

·         manuelle Lymphdrainage

·         Manuelle Therapie

·         Cranio-Sacrale-Therapie

·         Cyriax und Schlingentisch

·         Atemtherapie, Inhalation, Nasendusche

·         klassische Massage und Thermotherapie

·         Fußreflexzonenmassage

·         Elektrotherapie

Vervollständigt wird das Therapieangebot durch eine große Trainingsfläche mit modernsten Trainingsgeräten und einem 96 qm² großen Bewegungsbad. Innovative Geräte wie der „Galileo“ zum schonenden Muskelaufbau und zur Rehabilitation oder das „Medi-Stream“-Massagebett runden das Angebot ab.