Mit der Händedesinfektion zu mehr Sicherheit

Patienten werden durch Krankenhaushygiene geschützt

Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa, ESBL, MRGN und MRSA – sie klingen nicht nur furchteinflößend, sondern können für Patienten lebensbedrohlich werden. Auch wenn diese Keime überall in der Umwelt auftauchen, kennen  viele diese unter dem Schlagwort „Krankenhauskeime“. Sie machen immer wieder Schlagzeilen. Um ihre Ausbreitung möglichst gering zu halten und Infektionen bei den Patienten zu vermeiden, müssen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden. Im Prosper-Hospital kümmert sich ein Hygieneteam akribisch um die Umsetzung. Leitung und Hygienefachkraft Sylvia Matthiessen hat zusätzlich zu ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin noch eine zweijährige Fachweiterbildung zur Hygienefachkraft absolviert. Mit im Boot ist außerdem noch Nicole Vogelsang als hygienebeauftragte Ärztin.

„Es gibt sehr viele Vorschriften im Bereich Hygiene. Deswegen haben wir im Intranet für alle Mitarbeiter zugänglich unser Hygienehandbuch hinterlegt. Hier sind alle Maßnahmen detailliert aufgeführt. Sobald es Neuerungen gibt, zum Beispiel neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wird das Handbuch ergänzt“, erklärt die leitende Hygienefachkraft Sylvia Matthiessen. Außerdem sind regelmäßige Schulungen für die Mitarbeiter von großer Bedeutung: „Auch im schnelllebigen Stationsalltag müssen die Mitarbeiter an die Hygiene denken! Dies ist für unsere Patienten, aber auch für die Mitarbeiter selbst immens wichtig.“ Die Schulungen thematisieren beispielsweise den Umgang mit infektiösen und isolierten Patienten.

Auch das Thema MRSA wird im Prosper-Hospital groß geschrieben. Viele Patienten haben Angst vor den multiresistenten Keimen und fragen, welche Maßnahmen ergriffen werden. „Wir sind dem  ‚Multiresistente Erreger-Netzwerk‘ angeschlossen und  führen bei allen ‚Risikopatienten‘ ein MRSA-Screening zum Beispiel mit einem Nasen-Rachen- oder Wundabstrich durch. Risikopatienten sind zum Beispiel Patienten mit Diabetes oder Patienten, die aus einem Altenheim kommen“, erklärt Matthiessen. Viele Menschen sind Träger von MRSA-Erregern. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, können die Erreger schwere Infektionen auslösen. Deswegen wird präventiv viel getan. „Die Liste der Risikopatienten ist sehr ausführlich. In Testläufen, dem sogenannten Prävalenzscreening, in denen wir jeden Patienten gescreent haben, haben wir festgestellt, dass unsere Liste sehr gut ist und wir mit unserem engmaschigen Verfahren die MRSA-Fälle aufdecken“, ergänzt die Hygienefachkraft.

Einmal im Monat finden Stationsbegehungen mit der Geschäftsführung, der Arbeitssicherheit und der Pflegedirektion statt, bei denen auf hygienerelevante Gesichtspunkte geachtet wird. Viermal im Jahr gibt es außerdem eine Hygienekommissionssitzung. Hier werden gemeinsam mit der Geschäftsführung, dem ärztlichen Direktor, der Pflegedienstleitung, der Technik und der Hygiene Probleme erörtert und Lösungen gesucht. An dieser Sitzung nimmt unter anderem ein externer Hygieniker teil, der mit einem neutralen Blick die Dinge bewerten kann. Mikrobiologisch werden zusätzlich regelmäßig Untersuchungsflächen und zum Beispiel Endoskope untersucht. Zu den Hygienemaßnahmen zählt auch die Berufs- bzw. Bereichskleidung der Mitarbeiter. Bereichskleidung darf ausschließlich in den dafür vorgesehen sensiblen Bereichen (z.B. Dialyse, Kreißsaal, OP…) getragen werden. Beim Verlassen des Bereichs muss die Kleidung gewechselt bzw. ein Überkittel angezogen werden. 

Seit zwei Jahren gibt es im Prosper-Hospital außerdem einen Hygienequalitätszirkel, zu dem sich alle Hygienebeauftragten des Hauses treffen. „Hygienebeauftragte gibt es auf jeder Station. Sie bekommen bei unserem Hygienequalitätszirkel alle Neuerungen und Verordnungen mitgeteilt. Ihre Aufgabe ist es dann, diese Neuerungen an die Mitarbeiter auf den Stationen weiterzugeben“, sagt Sylvia Matthiessen.

Das Hygieneteam im Prosper-Hospital geht außerdem jeden Morgen über die Stationen und kontrolliert zum Beispiel Hygieneabläufe und die Unterbringung isolierter Patienten. „Neben den Mitarbeitern fordern wir auch alle Besucher und Patienten auf, sich sehr regelmäßig die Hände zu desinfizieren“, so Sylvia Matthiessen. Hierzu gibt es im Prosper-Hospital mehr als 1000 Desinfektionsmittelspender. „Die Hände sind nachgewiesen der Hauptüberträger für Krankenhausinfektionen. Das Immunsystem geschwächter Patienten schafft es leider häufig nicht mehr, diese Erreger abzuwehren. Deswegen ist die Händedesinfektion das wichtigste Kriterium“, führt sie fort. Seit 2008 beteiligt sich das Prosper-Hospital an der nationalen Kampagne „AKTION Saubere Hände“. Sie zielt darauf ab, bei der Bevölkerung und dem Krankenhauspersonal eine höhere Akzeptanz der Händedesinfektion zu erreichen. Teilnehmende Einrichtungen verpflichten sich, verschiedene Maßnahmen durchzuführen, dazu zählen zum Beispiel das Messen des Verbrauchs von Desinfektionsmittel und regelmäßige Fortbildungen für die Mitarbeiter.

„‘Vorbeugen ist besser als Heilen‘ ist bekanntlich mehr als eine Volksweisheit. Hygiene kann und soll in Krankenhäusern nicht die Aufgabeeines Einzelnen sein. Sie kann nur im Zusammenspiel und durch die Akzeptanz aller Kollegen funktionieren“, so Sylvia Matthiessen.