Die Kapelle                          

Viele Patienten, Besucher oder Mitarbeiter werden sie kennen und vielleicht auch schon aufgesucht haben: die Prosper-Kapelle. Sie ist benannt nach dem hl. Prosper (Tiro) von Aquitanien, dem Namenspatron des Krankenhausstifters (Prosper Ludwig von Arenberg). Der hl. Prosper wurde um 390 in Aquitanien geboren, besaß eine hohe theologische Bildung und trat nachdrücklich für die Gnadenlehre des hl. Augustinus ein. Um 440 ging er als Berater von Papst Leo I nach Rom, wo er nach 455 auch starb. Sein Gedenktag ist der 25. Juni.            

Tritt man in die Kapelle, fällt sofort der bronzene Griff der Eingangstür auf. Er zeigt mehrere biblische Motive. Besonders charakteristisch ist die Abbildung links innen, die auf die Geschichte von der Stillung des Seesturmes anspielt (Mt 8, 23-27). Sie greift die Situation und den inneren und äußeren Zustand vieler Patienten im Hause auf: Die im bedrohlich schaukelnden Boot hockenden und dem See hilflos ausgesetzten Jünger erzählen von Angst, Enge und Ausgeliefertsein. Durch diese Tür-Enge hineinkommend will der sich dem Patienten nun ?öffnende? Raum dazu einladen, Negativ-Befindlichkeiten aufbrechen zu lassen. Die architektonisch auf das Wesentliche beschränkte Kapelle besitzt die Form eines ungleichmäßigen Oktogons.    

Dieses lässt im Besucher ? egal wo er sich im Raum befindet ? das Gefühl der Weite aufkommen. Drei der langen Seiten sind ganz verglast, so dass der Raum bei Tag lichtdurchflutet wirkt. Das Licht steht damit der von vielen Patienten während ihres Aufenthaltes häufig als dunkel empfundenen eigenen Stimmung (z.B. wegen ihrer Krankheit) entgegen. Die dem Besucher vermittelten Gefühle von Weite und Licht sind ein Ausdruck für die spirituelle Erfahrung, zu der dieser Ort einladen möchte: ?Du, Herr, führst mich hinaus ins Weite, Du machst meine Finsternis hell? (Ps 18, 29). In diesem Zusammenhang ist auch das große Kreuz an der Wand hinter dem Altar zu erwähnen, das unweigerlich jedem ins Auge fällt, der die Kapelle betritt. Es weist einen außergewöhnlich langen horizontalen Balken auf. In der theologischen Symbolik entspricht die horizontale Linie des Kreuzes den diesseitigen Erfahrungen, die der Mensch mit seiner Umwelt und mit sich selbst macht (während die vertikale Linie die metaphysische oder ?aufsteigende? Erfahrung des Menschen mit Gott bezeichnet). Gerade diese Erfahrungen sind es aber, welche die Patienten im Krankenhaus in einer außerordentlichen ?Breite? machen und in denen geistige Orientierung sowie geistliches Heil gesucht werden. In der Kapelle, die sich auch durch eine besonders wohltuende Stille auszeichnet, finden viele Patienten nach eigenen Aussagen jene geistlichen Heils?Erfahrungen unterschiedlicher Prägung, auch wenn sie in körperlicher Hinsicht vielleicht nicht oder nicht mehr ganz geheilt werden können. Die Kapelle ist stets geöffnet. Gottesdienste (katholische u. evangelische), die auch auf die Patientenzimmer übertragen werden, finden regelmäßig statt.