„Vorsichtsmaßnahmen bis zum letzten Schritt“

Arzneimittelsicherheit im Prosper-Hospital

„Dreimal täglich Calzium forte“  oder doch „Cotrim forte“? Von ähnlich klingenden (sound-alike) oder ähnlich aussehenden (look-alike) Medikamenten gibt es viele Beispiele auf dem Markt. Gerade deswegen muss der Umgang mit Medikamenten besonders sorgfältig und mehrfach geprüft sein. So auch in der Apotheke des Prosper-Hospitals.

„Wir haben viele Barrieren geschaffen, um die Anzahl der Fehler möglichst gering zu halten“, erklärt Chef-Apothekerin Beate Heite. „Es ist unsere Pflicht, vom Eintreffen der Medikamente in unserem Haus bis zur Gabe am Patientenbett jeden Schritt zu dokumentieren und zu überprüfen.“ „Arzneimitteltherapiesicherheit“, kurz „AMTS“, wird in den letzten Jahren auch in der breiten Öffentlichkeit immer häufiger thematisiert. AMTS beinhaltet viele Elemente, die im Prosper-Hospital zusätzlich um einige Punkte erweitert wurden. Im Folgenden bekommen Sie hierzu einen Überblick.

Sicherheit in sich
Eine Krankenhausapotheke muss gewährleisten und kontrollieren, dass das Medikament in sich sicher ist. Jede Apotheke ist deswegen verpflichtet, einmal täglich eine Stichprobe aus den gelieferten Fertig-Arzneimitteln zu nehmen und sie auf Aussehen, Beschriftung und Inhalt zu prüfen. Jegliche festgestellte Mängel müssen an die Arzneimittelkommission der Apotheker (eine firmenunabhängige Expertenkommission) weitergeleitet und in der „Apothekerzeitung“ veröffentlicht werden. Bei großen Mängeln oder falsch beschrifteten Medikamenten werden von den Pharma-Firmen Notfallmeldungen, so genannte „Rote-Hand-Briefe“, an alle Kunden geschickt werden. Diese Notfallmeldungen kommen im Prosper-Hospital auch auf dem Faxgerät der Information an: „Die Information ist eben jeden Tag in der Woche rund um die Uhr besetzt. So wird die Notfallmeldung direkt gelesen und wir können unverzüglich reagieren, um unsere Patienten zu schützen“, sagt Chef-Apothekerin Heite.
Ein weiterer Punkt ist die richtige Lagerung der Medikamente. Auf den Stationen müssen Medikamentenkühlschränke zum Beispiel täglich auf ihre Temperatur überprüft werden.

Sicherheit im Prozess der Anwendung
Auf dem Weg des Arzneimittels bis zum Krankenbett gibt es noch weitere Sicherheitsmaßnahmen: Grundsätzlich müssen die Medikamente schriftlich von dem behandelnden Arzt verordnet werden. Zusätzlich gibt es im Prosper-Hospital eine interne Verfahrensanweisung darüber, wie die Kurve der Patienten zu führen ist, z.B. an welcher Stelle das verordnete Medikament einzutragen ist. So kann es nicht passieren, dass verordnete Medikamente übersehen werden. „Natürlich werden die Ärzte außerdem dazu angehalten, möglichst ordentlich zu schreiben, damit die Handschrift später auch noch von anderen gelesen werden kann“, erklärt Beate Heite.  

Sicherheit beim „Stellen“ der Medikamente
Der nächste Schritt ist das Stellen der Medikamente. Seit April 2013 sind im Prosper-Hospital dafür auf allen Stationen nicht mehr die Gesundheits- und Krankenpfleger, sondern speziell dafür ausgebildete pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) zuständig. Sie haben sich in ihrer Ausbildung mit der Wirkung und Wechselwirkung von Medikamenten und ihren Gefahren beschäftigt. „Unsere PTAs haben eine fundierte Ausbildung im pharmazeutischen Bereich und können deswegen Dinge, die nicht plausibel sind, schneller erkennen und daraufhin noch einmal mit dem Arzt besprechen“, so Heite. Durch dieses Vorgehen können beispielsweise Fehler bei den Mengenangaben erkannt werden.
Da die pharmazeutisch-technischen Assistenten sich komplett auf das Stellen der Medikamente konzentrieren können und nicht von anderen Geschehnissen auf der Station abgelenkt werden, ist die Fehlerquelle deutlich eingedämmt worden.

Um eine Sicherheit bis an das Patientenbett zu gewährleisten sind alle Dispenser (Medikamentendosierer), genau wie die Krankenhausbetten und die Patientenarmbänder mit Namen und Geburtsdatum beschriftet. Medikamente, die in Tropfenform verabreicht werden, werden in verschiedenfarbige Töpfchen (je nachdem, ob es sich um die Morgen-, Mittags- oder Abendmedikation handelt) gefüllt. So könne bei jeder Medikamentenausgabe leichter darauf geachtet werden, dass „der richtige Patient, das richtige Arzneimittel, in der richtigen Dosierung und der richtigen Darreichungsform zum richtigen Zeitpunkt bekommt“, erläutert die Chef-Apothekerin.

Interne Sicherheitsvorkehrungen
Eine zusätzliche Schutzbarriere ist ein derzeitiges Projekt auf der geriatrischen Station: Hier begleitet einmal in der Woche eine Apothekerin die ärztliche Visite, um die Medikamente und deren Wechselwirkungen bei jedem einzelnen Patienten überprüfen zu können und dem Arzt eventuell alternative Vorschläge zu machen. Spezielle EDV-Programme dienen dabei als Unterstützung. „Die Wirkung und Wechselwirkung von Medikamenten ist ein hochkomplexes Thema. Daher ist die Unterstützung des Arztes durch den Apotheker ein wirklicher Zugewinn, vor allem bei unseren geriatrischen Patienten.“ Diese hätten häufig schon vor dem Krankenhausaufenthalt eine ganze Reihe an Medikamenten auf ihrer Liste, kommen sie dann noch wegen einer akuten Erkrankung ins Prosper-Hospital, müssen in den meisten Fällen noch zusätzliche Medikamente verordnet werden. Da Wechselwirkungen dazu führen können, dass ein Medikament plötzlich stärker oder weniger stark wirkt, müssen teilweise Dosierungen angepasst werden. Manche Arzneimittelkombinationen können außerdem auch gefährlich werden: ein Patient, der zum Beispiel ein Cholesterin-senkendes Mittel einnimmt, darf bei einer zusätzlichen Infektion nur ganz bestimmte Antibiotika verordnet bekommen.

Um den Patienten des Prosper-Hospitals eine optimale Antibiotika-Therapie zu verabreichen, gibt es im Prosper-Hospital zusätzlich noch die „infektiologische Visite“. Hier arbeiten ein Mikrobiologe, der Facharzt und ein Apotheker nach hausinternen Standards.

Sicherheit bei der Herstellung
Als letzter wichtiger Punkt sind noch die Sicherheitsstandards bei der Arzneimittelherstellung zu nennen. Alle Ausgangsstoffe zum Anrühren der Medikamente müssen von der Apotheke überprüft werden. Außerdem muss jede Anordnung der Ärzte zum Herstellen eines Medikaments vorher auf ihre Plausibilität überprüft werden. Bei der Herstellung von individuellen Zytostatika (Krebsmedikamenten) sind Standards in einem EDV-Programm hinterlegt, wodurch mögliche Fehler einfacher erkannt werden können.

 „Ganz wichtig ist in allen Bereichen, dass wir standardisierte und geordnete Abläufe haben, um Fehlerquellen zu vermeiden“, erklärt Beate Heite. Zusätzlich setzt sie auf regelmäßige Mitarbeiterschulungen. „Mit den vielen eingebauten Barrieren haben wir bereits ein sehr hohes Maß an Sicherheit für unsere Mitarbeiter und in erster Linie für unsere Patienten. Diese Barrieren wirken wie ein doppelter Boden – wird an einer Stelle doch ein Fehler gemacht, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit an der nächsten Barriere auffallen.“