„Die Sicherheit unserer Patienten steht an erster Stelle!“

Prof. Dr. Peter Johannes Kulka zum Thema Patientensicherheit im Prosper-Hospital

Im Prosper-Hospital werden jährlich gut 20.000 stationäre Patienten behandelt – unsere Mitarbeiter haben dabei den Anspruch, jedem Patienten das höchstmögliche Maß an Sicherheit zu bieten. Um das zu gewährleisten greifen verschiedene Maßnahmen. Wir haben hierzu Prof. Dr. Peter Johannes Kulka, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Anästhesie im Prosper-Hospital, interviewt.

Redaktion: Prof. Kulka, damit die Patienten gesund werden können, ist es wichtig, dass es zu keinem Zeitpunkt des Aufenthalts zu Verwechslungen beziehungsweise zu einer falschen Behandlung kommt. Welche Sicherheitsmaßnahmen greifen hierzu im Prosper-Hospital?

Prof. Dr. Kulka: Schon bei der Aufnahme bekommen unsere Patienten ein Patientenarmband mit ihrem Namen und dem Geburtsdatum, über das sie zu jeder Zeit, ob sie gerade ansprechbar sind oder nicht, identifiziert werden können. Uns Ärzten ist dadurch möglich, die Identität des Patienten zu jedem Zeitpunkt festzustellen.

Redaktion: Und wie sieht es mit Verwechslungen kurz vor und während der Operation aus?

Prof. Dr. Kulka: Für alle Patienten, die sich einem operativen Eingriff unterziehen müssen, haben wir bereits vor Jahren eine Checkliste eingeführt, die den Patienten auf seinem Weg durch die Operation begleitet. Bevor der Patient in den OP gefahren wird, muss hierauf die Stationsschwester abhaken, ob alle Vorbereitung richtig getroffen worden sind. Unmittelbar vor dem Einschleusen in den OP-Bereich wird dann die Identität des Patienten erfragt, ob er nüchtern ist und nicht geraucht hat. Vor der Narkoseeinleitung wird dann nochmals die Identität des Patienten überprüft. Der Patient muss seinen Namen und sein Geburtsdatum nennen und auch selbst nochmals angeben, welche Operation an ihm durchgeführt werden soll. Im Operationssaal führt der Operateur dann nochmals eine Identitätskontrolle durch. Um Seitenverwechselungen zu vermeiden wird zum Beispiel in der Unfallchirurgie die zu operierende Extremität mit einem wasserfesten Filzstift markiert. Im Prosper-Hospital haben wir auf jeden Fall den Vorteil, dass wir viele Patienten häufig bereits vor der Operation persönlich kennengelernt haben. Da ist die Verwechslungsgefahr sehr gering.

Redaktion: Und zum Ende der Operation? Wie vermeidet man, dass OP-Besteck oder ähnliches im Patienten vergessen wird?

Prof. Dr. Kulka: Auch hier gibt es standardisierte Abläufe, die routinemäßig durchgeführt werden. Vor einer Operation wird das komplette Material, was benötigt wird, vorbereitet und gezählt. Am Ende einer Operation werden dann die Materialien noch einmal durchgezählt. Da fällt dann relativ schnell auf, wenn nicht alle Tupfer und Tücher wieder aufgetaucht sind.

Redaktion: Wie sieht es speziell in Ihrem Bereich aus? Viele Patienten haben Angst vor der Narkose. Ist diese Angst berechtigt und was wird hier für die Sicherheit der Patienten getan?

Prof. Dr. Kulka: In der Anästhesie geht es schon immer darum, die narkosebedingte Sterberate der Patienten zu verringern. Es gibt Statistiken, die besagen, dass von 240.000 operierten Patienten im Durchschnitt einer anästhesiebedingt stirbt. Das schließt alle Patienten ein: vom Neugeborenen bis zum Greis. In der ersten Erhebung aus dem Jahr 1954 waren es noch 4 von 10000 operierten Patienten, die Anästhesie-bedingt verstarben! Hier hat die Medizin in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Während einer Operation werden heutzutage routinemäßig ein EKG abgeleitet sowie Blutdruck und Sauerstoffsättigung des Blutes gemessen.  Muss ein Patient beatmet werden, messen wir außerdem die Konzentration der Narkosegase, Beatmungsdrücke; CO2 (Kohlenstoffdioxid)-Konzentration  etc… Es gibt seit mehreren Jahren sogar Geräte, mit denen wir durch Ableitung von Hirnströmen die Narkosetiefe ermitteln können. Als ich meine Ausbildung begonnen habe, gab es Monitore, die das alles automatisch leisten können, noch gar nicht. Da haben wir zum Beispiel den Blutdruck alle paar Minuten noch manuell gemessen. Da war das Risiko natürlich deutlich höher. Natürlich hat, wie jeder Eingriff, auch jede Narkose auch heute noch ein Risiko – von unseren Überwachungsmöglichkeiten sind wir heute allerdings so aufgestellt, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie diesbezüglich noch etwas zu verbessern wäre.

Redaktion: Heißt das, es ist jetzt ein Punkt erreicht, wo wir für die Patientensicherheit nichts mehr tun können?

Prof. Dr. Kulka: So darf man das nicht verstehen. Am wichtigsten ist es, in Ausbildung zu investieren. Neben regelmäßigen Fortbildungen ist diesbezüglich das beste Mittel, „Beinahfehler“ zu analysieren und zu besprechen. Nur daraus können wir lernen und versuchen, die Abläufe zu optimieren. Entscheidend ist hierfür, dass in allen Abteilungen eine entsprechende Fehlerkultur herrscht, die es erlaubt, Fehler beim Namen zu nennen.

Redaktion: Vielen Dank für das Interview!