Stimmgewaltig

 

Die Logopädie im Prosper-Hospital ist breit aufgestellt

„Unser jüngster Patient ist 3, der älteste 99 Jahre – allein daran kann man sehen, wie breit gefächert wir aufgestellt sein müssen“, sagt Christiane Frevel. Ihr Team mit insgesamt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmert sich dabei um Patienten mit Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen oder Hörbeeinträchtigungen, die verschiedenste Ursachen haben. Ihre Hauptaufgaben sind dabei die Beratung, Diagnostik, Therapie und Dokumentation.

 

Der kleine Leon ist gerade einmal drei, aber im Kindergarten fällt auf, dass sein Wortschatz eher klein ist. Manchmal versteht er auch Aufforderungen seiner Mutter schlecht und kann sie nicht ausführen. Normalerweise haben Kinder mit zwei Jahren einen aktiven Wortschatz von mindestens rund 50 Wörtern, Mitte des dritten Lebensjahres steigt der Wortschatz schon auf 300-500 aktive Wörter an. „Kinder wie Leon leiden an einer sogenannten Sprachentwicklungsstörung, die sich neben dem Wortschatz auf die Grammatik, die Aussprache und das Sprachverständnis auswirken kann“, erklärt Christiane Frevel, Abteilungsleiterin der Logopädie im Prosper-Hospital. In einer Einzeltherapie lernt Leon nun spielerisch seine Kommunikationsmöglichkeiten auszubauen. „Das ist wichtig, da sich eine schlechtes Sprachverständnis oder Lautfehlbildungen später auch auf den Schriftspracherwerb auswirken können.“ Dabei sind bei einer rechtzeitigen Behandlung schnell große Fortschritte zu beobachten: „Eine Mutter sagte mir mal mit einem Lächeln: Es ist ja schön, dass Sie meinem Kind das Sprechen beigebracht haben – aber musste es gleich so viel sein?“

 

Im Behandlungszimmer nebenan wird eine 65-jährige Patientin therapiert. Sie hatte vor einem halben Jahr einen Schlaganfall, der bei ihr zu Sprachstörungen geführt hat. Sie konnte Worte nicht mehr richtig  artikulieren und das Sprachverständnis war eingeschränkt. „Sich nicht mehr richtig ausdrücken können oder das Lesen und Schreiben zu verlernen bedeutet für die Patienten immer einen starken Einschnitt in ihr Leben. Neben der Therapie sind wir dabei auch immer Ansprechpartner und Berater für die Angehörigen, die häufig genauso unter diesem Verlust leiden, wie die Patienten selbst“, sagt Christiane Frevel. Auch in diesen Gesprächen sind die Therapeuten des Prosper-Hospitals geschult.

 

Die Sprachtherapeutin hat ihre nächste Therapie nicht in der ambulanten Logopädiepraxis am Prosper-Hospital, sondern auf der HNO-Station im Haus. „Das ist natürlich auch ein sehr großer Bereich, den wir abdecken.“ Vor allem Patienten mit Tumorerkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich werden behandelt. Aber auch Gesichtslähmungen und Hörstörungen sind häufige Krankheitsbilder. „Die Arbeit auf der Station mit den häufig frisch operierten Patienten ist wieder eine ganz andere. Häufig muss das Sprechen oder Schlucken ganz neu erlernt werden oder wir arbeiten an der Kräftigung oder Wiedererlangung der Stimme.“ Christiane Frevel ist Sprachtherapeutin mit Leib und Seele und steckt viel Energie in ihre Arbeit: „Aber das bekomme ich auch doppelt wieder zurück. Wenn ich mit einem operierten Patienten die erste Stimmübung mache und er zum ersten Mal seine Stimme wieder hört und dabei Tränen in den Augen hat, dann weiß ich, warum ich meinen Job so liebe.“

 

Im Prosper-Hospital werden bei allen Patienten, bei denen eine Indikation besteht, die Logopäden angefordert, die dann zur Diagnostik und Therapie auf die Station kommen. Gleichzeitig können zur ambulanten Behandlung alle Menschen mit Beschwerden kommen, wenn sie eine Heilmittelverordnung ihres behandelnden Arztes mitbringen. Das Team ist in den Therapiemöglichkeiten breit aufgestellt. Weitere Schwerpunkte der Abteilung sind die sprachtherapeutische Beratung der Selbsthilfegruppe Bezirksverein der Kehlkopfoperierten Stadt und Kreis Recklinghausen und die logopädische Begleitung der HNO-Sprechstunden im Prosper-Hospital wie Schluck- und Stimmsprechstunde.

 

 „Unser gesamtes Team ist sehr flexibel. Wir besuchen regelmäßig Fortbildungen, so dass wir alle die Möglichkeit haben, möglichst viele Krankheitsbilder zu therapieren. Trotzdem hat jeder von uns natürlich seine Schwerpunkte – der eine in der Stimmtherapie, der andere in der Arbeit mit Kindern und der nächste mit Tumorerkrankungen. So ergänzen wir uns gegenseitig perfekt.“ 

 

Kontakt zur Terminvereinbarung oder zu einem Beratungsgespräch können Sie unter 02361-54 2357 oder unter logopaedie(at)prosper-hospital.de aufnehmen.

 

 

 „Zitate aus der Logopädie“:

Patientin (57 Jahre) mit einer Schluckstörung:
„Wenn Sie mich nicht zum Essen gebracht hätten, dann würde ich immer noch diese Sondenkost über den künstlichen Zugang bekommen. Ich hatte so eine Angst mich zu verschlucken und jetzt ist es wieder fast normal für mich.“

Mädchen (5 Jahre) fragt während der Therapie: „Was machst du hier?“
Logopäde: „Ich arbeite hier.“
Mädchen: „Cool! Und in deinen Pausen spielst du mit uns?!“

Patient: „Hätte nicht gedacht, dass das mal wieder so gut wird. War aber auch ein hartes Stück Arbeit.“

Patient (mit einem Augenblinzeln): „Sie haben es auch nicht immer leicht mit mir, oder?!“